Blasenschwäche und Demenz

Harninkontinenz kommt bei demenzkranken Menschen überdurchschnittlich häufig vor. Viele Betroffene werden bereits im frühen Krankheitsstadium mit Hilfsmitteln wie Vorlagen oder Windeln versorgt. Das ist nicht nur entwürdigend, sondern auch unnötig. Denn die meisten Demenzkranken können mit einer passenden Behandlung, ein paar praktischen Maßnahmen und etwas Hilfe noch lange Zeit die Toilette aufsuchen.

Bis zu 40 Prozent der über 75-Jährigen haben eine Harninkontinenz. Demenzkranke Senioren trifft es doppelt so häufig wie geistig fitte. Die Schlussfolgerung, Harninkontinenz sei eine zwangsläufige Folge der Demenz ist jedoch falsch. Denn auch durch den Verlust der bewussten Körperkontrolle im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz kann es zur Inkontinenz kommen. Und es gibt eine Reihe anderer Ursachen, die eine Inkontinenz begünstigen. Viele Demenzkranke finden einfach den Weg zur Toilette nicht rechtzeitig.

Auch begleitende organische Erkrankungen wie Prostataleiden oder Diabetes sowie bestimmte Medikamente, etwa gegen Herzschwäche und Bluthochdruck, können eine Inkontinenz verursachen. Ein Blick auf die verordneten Medikamente lohnt sich daher auf jeden Fall: Möglicherweise verschwinden die Symptome, wenn in Absprache mit dem Arzt ein Medikament gegen ein weniger harntreibendes ausgetauscht wird. Mitunter genügt es auch, den Einnahmezeitpunkt zu verschieben.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Mit ein wenig Hilfe bei der zeitlichen und räumlichen Orientierung können es viele Menschen trotz ihrer Demenz rechtzeitig auf die Toilette schaffen. Eine gute Beleuchtung Tag und Nacht, eine offene Toilettentür mit einem vertrauten Symbol und ein farbiger Toilettendeckel können bereits viel ausrichten. Günstig ist auch praktische Kleidung, wie etwa Hosen mit Gummizug. Wer nicht mehr zuverlässig spürt, ob seine Blase voll ist, profitiert von einem Toilettentraining, bei dem feste Toilettenzeiten eingeübt werden. Auf diese Weise können selbst fortgeschritten demenzkranke Menschen in Begleitung einer Pflegeperson auf die Toilette gehen, statt Windeln zu benutzen.

demenzDemenz und Inkontinenz

Auch wenn ältere Menschen überproportional betroffen sind, ist Harninkontinenz keine zwangsläufige Alterserscheinung. Es kann jeden und in jedem Alter treffen. Allerdings besteht ein Zusammenhang zwischen Demenz und Blasenschwäche durch den Verlust der bewussten Körperkontrolle, aber auch durch die Einnahme spezieller Medikamente beispielsweise gegen Alzheimer. Eine Verbesserung der körperlichen und geistigen Mobilität ist das beste Mittel gegen ungewollten Harnverlust.

Medikamente gegen Blasenschwäche mit Bedacht auswählen

Standard bei der medikamentösen Behandlung einer Dranginkontinenz sind so genannte Anticholinergika. Sie lindern den übersteigerten Harndrang, indem sie den Botenstoff Acetylcholin hemmen, der an der Signalübertragung in der Blase beteiligt ist. Die Kehrseite der Medaille: Acetylcholin kommt praktisch überall vor, wo Nervenzellen sind und ist daher vor allem für die Gehirnleistung unverzichtbar. Wird seine Wirkung dort abgeschwächt, so ist das insbesondere für Patienten ein Problem, die aufgrund höheren Alters, einer Parkinsonerkrankung oder einer Demenz ohnehin unter Einschränkungen ihres Denkvermögens leiden. Für sie sollte daher zur Behandlung der Inkontinenz nur ein Wirkstoff eingesetzt werden, der die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann und somit nicht in Prozesse des zentralen Nervensystems eingreift. Informationen hierzu gibt die so genannte PRISCUS-Liste. Dort haben Wissenschaftler Wirkstoffe zusammengestellt, die für ältere Menschen bedenklich sein können, weil sie zum Beispiel unerwünschte Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem haben oder mit anderen häufig verschriebenen Medikamenten Wechselwirkungen eingehen. Im Gegenzug werden Therapiealternativen benannt, die besser verträglich sind.

Unter der Adresse www.medikamente-im-alter.de finden Interessierte die PRISCUS-Liste und ausführliche Erläuterungen.

schamInkontinenz bei älteren Angehörigen: Taktgefühl gefragt

Etwa jeder dritte ältere Mensch leidet an Inkontinenz, ab dem siebzigsten Lebensjahr ist es sogar jeder zweite. Obwohl so viele Menschen das Leiden teilen, ist es noch immer schambesetzt. Viele scheuen sich darüber zu sprechen und weihen weder ihre Familie noch den Hausarzt ein. Stattdessen entwickeln sie Strategien, damit ihr Problem möglichst unbemerkt bleibt: Sie behelfen sich mit Slipeinlagen, trinken nur noch wenig, sagen Einladungen ab und vermeiden es, für längere Zeit das Haus zu verlassen. Angehörige, die solche Anzeichen bemerken, sollten behutsam vorgehen und den Betroffenen nicht mit gut gemeinten Ratschlägen oder gar Vorwürfen überfallen.

Besser ist es, die betroffene Person ganz unverfänglich zu einem allgemeinen Gesundheitscheck beim Hausarzt zu ermuntern. Wer sicher sein will, dass das Thema bei dem Termin auch zur Sprache kommt, sollte den Arzt in einem Vorgespräch über seinen Verdacht informieren. Diese Vorgehensweise ist für ältere Menschen meist weniger unangenehm, als wenn die eigenen Kinder oder Enkel mit Fragen nach der Blasenfunktion in die Intimsphäre eindringen. Ist das Eis erst einmal gebrochen, lassen sich die Betroffenen in der Regel bereitwillig auf weitere Untersuchungen ein.